Die Ausgangssituation: Erste Parallelschwünge

Seit Toni Seelos Anfang der 1930er Jahre Parallelschwünge zeigte, gab es sehr viele Versuche zu erklären, wie diese Schwünge bewegungstechnisch zustande kommen. Es blieb aber für lange Zeiten immer bei Schlagworten (Beine-Drehen, Umsteigen, Flachstellen/Kanten und Hoch/Tief) oder bei einer Beschreibung der äußeren Bewegung. Dadurch wurde jedoch nicht erklärt, wie paralleles Fahren tatsächlich funktioniert. Erst durch eine biomechanische Untersuchung (Kassat, 1985) ergaben sich neue Erkenntnisse über die Funktionsweise der Bewegung im alpinen Skilauf, die auch für alle an der Untersuchung Beteiligten völlig unerwartet waren und zunächst kaum glaubhaft erschienen. Die bisherigen Ideen zum Verständnis der Bewegungstechnik wurden insgesamt hinfällig. Die neue Sicht der Ski-Technik ist letztendlich einfach, aber man muss sich zunächst daran gewöhnen, Bewegung ganz anders zu denken: Eine Bewegung lässt sich nicht – wie bisher üblich – in sogenannte Phasen aufteilen, weil sie zu komplex ist (Kassat, 1995).


Erforderlich: Eine ganz neue Methodik

Mit Bewegungstechnik wird im Allgemeinen die Funktionsweise der Bewegung bezeichnet. Nun soll beim Lernen die Bewegungstechnik in eine reale Bewegung umgesetzt werden. Das bedeutet, dass die Technik der Lehrstoff ist, und ohne den Lehrstoff kann man keine Methodik herleiten, keine gesicherten Korrekturen geben und letztendlich nicht systematisch lehren.

Da dieses Wissen zum parallelen Skifahren bisher fehlte, gab es auch keine begründete Ski-Methodik. Als Methodik propagiert wurden daher von Anbeginn bis jetzt Pflug und Stemmen. Es ist aber allgemein bekannt, dass SkifahrerInnen, die so geschult wurden, auf der Piste oft recht unglücklich sind, weil sie das gelernte Stemmen nur schwer abstellen können. Aus der Sicht des Bewegungslernens (Kassat, 1998) wird das Stemmen nicht wieder verlernt, sondern wird unbewusst abgerufen und ist somit das größte Hindernis auf dem Weg zum parallelen Skifahren. Die Entwicklung einer praktikablen Methodik war also grundsätzlich erforderlich!

 

Das Problem Ski-Drehung etwas genauer
Die Bewegung der Ski zeigt, wie die Skidrehung in die spezifischen Dreh-Seitbewegungen Einwärts- und Auswärts-Driften integriert ist. Damit ist die Frage wer oder was die Ski dreht, aber noch nicht ganz beantwortet.

  • Zu beachten ist: Von einer Schrägfahrt zur nächsten drehen sich nicht nur die Ski, sondern das ganze System Ski & SkifahrerIn.
  • Frage: Wer oder was dreht dieses System?
  • Physikalisch eindeutig ist: Das System kann sich nicht aus sich selbst heraus drehen.
  • Die einzig denkbare Lösung: Die Piste dreht die Ski!

Das erscheint auf den ersten Blick nicht glaubhaft, weil man es sich erst einmal nicht vorstellen kann. Durch weitere Erörterungen (LiteraturFortbildung) wird der Sachverhalt aber auch anschaulich und verständlich werden. Jedenfalls sind bisherige Betrachtungsweisen zur Skitechnik & -drehung damit hinfällig:

 

Die Piste dreht die Ski – wir fahren natürlich mit und steuern die Bewegung!