Praxis


Ein(e) Ski-Methodik für alle Fälle

Da man für jede Lernsituation – in Kenntnis der Gegebenheiten – die geeigneten Übungen aus den methodischen Möglichkeiten wählen muss, ist die Sammlung der Übungen als Grundlage für jedes Alter und jedes Lernziel zu sehen. Die Auswahl und das Lerntempo werden selbstverständlich in jedem Fall anders sein. Die pädagogisch-didaktische Absicht bestimmt den Umgang mit den Übungen und den Lernenden. Und natürlich sind die methodischen Übungen für Kinder in spielerischer Form zu nutzen; auf einem Ski und mit dem Ski-Stab bietet sich das ohnehin an. Vorab muss man mit den methodischen Übungen – auch wenn sie einfach erscheinen – einige Erfahrungen sammeln.

 

Ein Spezialfall: Skifahren in der Reha krebskranker Kinder
Die Ein-Ski-Methodik hat sich insbesondere in der Rehabilitation krebskranker Kinder bewährt. Die Ski-Reha wurde von Dr. Walter Kurpiers (Uni Münster) mit Skikursen auf der Zaferna-Hütte im Kleinen Walsertal 1994 begründet. Seitdem haben schon viele Hunderte krebskranker Kinder mit Angehörigen beim Skifahren ihre Probleme zeitweise vergessen und dabei wieder Spaß an der Bewegung und Freude am Leben erfahren.
Die Kinder sind durch die lange, belastende Zeit der Krebstherapie sehr geschwächt, und die Eltern sind selbst traumatisiert und darauf bedacht, ihre Kinder vor Anstrengungen und weiteren Belastungen zu bewahren. Die Kinder können nicht „normale Kinder“ sein, die sich bewegen wollen. Sie werden überbehütet. Es erfordert viel Überzeugungsarbeit, zur Normalität zurückzufinden, die Kinder ihre eigene Leistungsfähigkeit wiederentdecken zu lassen und den körperlichen Fähigkeiten zu vertrauen.

Die Ein-Ski-Methodik schränkt den kindlichen Bewegungsdrang weniger ein als der Lernbeginn auf zwei Skiern. Das freie Standbein gibt am Anfang die nötige Sicherheit, ermöglicht ein schnelleres und kräftesparenderes Aufstehen und das erste Gleiten auf dem einen Ski fördert noch stärker den Gleichgewichtssinn. Insbesondere der Ski-Stab, dessen Spitze seitlich einen Strich zieht und nur als "psychische Stütze" dient, ermöglicht es in einem Bogen das dynamische Gleichgewicht leicht zu finden. Dadurch lassen sich der verkrampfte Pflug und das Stemmen vermeiden. Natürlich werden in der Reha keine körperlich oder psychisch hohen Anforderungen gestellt, sondern der Spaß im Schnee und die Freude an der Bewegung sind vordringlich. So können Misserfolge und Überforderungen vermieden werden und schnelle Erfolgserlebnisse schaffen Motivationen für weitere Lernbemühungen. Die Ski-Reha wird nunmehr durch Prof. Dr. Nico Kurpiers (Universität Hildesheim) fortgeführt.